Museum

Forschung im Museum

Die Ausstellungen im Literaturmuseum der Moderne sind in verschiedener Hinsicht Initiatoren für die Wissenschaft. 

Forschung im Archiv. Alle Marbacher Ausstellungen sind bestands- und ortsbezogen angelegt. Ihre Grundlage ist die oft breit angelegte Recherche im Archiv, die fast immer auch mit Erschließungsarbeiten (Ordnung, Objektsicherung und Restaurierung, Katalogisierung und Digitalisierung) und erschließungsbezogener Forschung (Urheber, Status, Datierung, Provenienz, Technik, Material, Transkription, Rechteinhaber u.Ä.) verbunden ist.

Forschung für die Forschung. Die Marbacher Ausstellungen legen den Schwerpunkt auf autoren- und epochenübergreifende Themen (die entlegene mit bekannteren Autoren, Werken und Sachen verbinden und ihren Ausdruck auch in den mit Tagungen, Veranstaltungen und Publikationen verbundenen Marbacher Jahresthemen finden), noch nicht ausgestellte Altbestände (wie Tischbein, George und Kerner) und Neuzugänge (wie Gernhardt und Sebald). Sie zeigen Dinge zum ersten Mal, vermitteln ihren Wert an die Öffentlichkeit und machen Geisteswissenschaftler auf Forschungsdesiderate und neue Forschungsgegenstände aufmerksam.
Ausstellungsprogramm

Reflexion der literaturwissenschaftlichen Forschung, ihrer Methoden und Theorien, nicht nur Quellenforschung
. Durch den besonderen Marbacher Auftrag, in zwei Museen einer großen Öffentlichkeit »Literatur« zu vermitteln, werden in den Ausstellungen vor allem auch Methoden des Zeigens und Vermittelns von literarischen Texten und ihrer Literarizität erprobt und dabei literaturhistorische und immer auch literaturtheoretische Überlegungen an den konkreten Gegenständen überprüft. Besonderes Augemerk gilt dabei der Reflexion des Verhältnisses von Literatur und Archiv, Museum und Bestand zu.

Forschung im Labor.
Die Marbacher Ausstellungen verbinden wissenschaftliche Grundlagenforschung und literaturwissenschaftliche Erkenntnisse mit einer nur in Ausstellungen möglichen, offensiv an eine große, auch nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit vermittelten Experimentiersituation: mit Fragen nach der sichtbaren Verständlichkeit von Dingen, nach den Erkenntnismöglichkeiten ästhetischer Evidenz, der Funktion räumlicher Nachbarschaften und architektonischer Ordnungen, des Zusammenspiels von Sehen, Bewegen und Lesen, nach Formen nicht-wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit Literatur und Archiven (z.B. in der Literaturschule LINA), nach Methoden des nicht-diskursiven und argumentativen, des intuitiv-assoziativen Forschens, des Übersetzens von diskursiv darstellbaren Ergebnissen in Material- und Raumbilder wie von ästhetischen Evidenzen in diskursive Beschreibungen.

Forschung für das Museum
. Die Marbacher Ausstellungen finden in zwei eigens und ausschließlich für das Ausstellen von Literatur gebauten Museen statt und versuchen dabei den Widerspruch zwischen kleinstädtischem Standortnachteil und internationaler Bedeutung durch den expliziten Bestands- wie den Architekturbezug aufzulösen. Da sie nicht auf vergleichbare Modelle zurückgreifen und sich auch nur schwer angemessen mit anderen literarischen Einrichtungen (Dichtergedenkstätte, Literaturhaus) vernetzen können, betreten sie im Bereich der Konzeption und Gestaltung von Literaturausstellungen immer wieder Neuland und versuchen ihre Möglichkeiten durch Ausloten ihrer Grenzen zu erweitern. Die Ausstellungen werden alle dokumentiert und häufig auch in Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen im Rahmen von Magister- und Promotionsvorhaben beschrieben und evaluiert.
Projekt wissen & museum

Forschung im Museum als in der Öffentlichkeit ausgetragener und diskutierter Prozess. Alle Marbacher Ausstellungen verpflichten sich dem wissenschaftlichen Codex der Überprüfbarkeit, sie beschreiben in Raum- und Katalogtexten ihre Methode und basieren in allen Exponatlegenden und -verzeichnissen  auf den Grundregeln wissenschaftlicher Beschreibung und Zitation. Durch eine umfangreiche Presse-, Museumspädagogik-, Vortrags- und Veranstaltungsarbeit werden sie in verschiedene Öffentlichkeiten bekannt und diskutiert.
Veranstaltungen im Museum