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ALS ICH EUROPA WIEDERSAH …
Als ich Europa wiedersah
– Nach jahrelangem Sehnen –
Als ich Europa wiedersah,
Da kamen mir die Tränen.
Im grauen Frühlicht die Stadt Paris
Umarmte mich wie vor Jahren,
Als der zweite Vorkrieg noch „Nachkrieg“ hieß,
Und wir noch beheimatet waren.
Paris, du mein geliebtes Paris,
Du Herzensstadt der Franzosen,
Du reimst dich noch immer auf Paradies,
Du Heimat der Heimatlosen.
Mir haben die Jahre den Übermut
Ein wenig ausgetrieben.
Doch du bist noch immer der Tunichtgut,
Paris, du bist Achtzehn geblieben!
Dein Lieblingswort ist noch immer „l’amour“,
Dein Sirenengesang – höchst verderblich!
Deine Bäume, sie rauschen in Moll und in Dur,
Paris, dein „esprit“ ist unsterblich.
Old London hat seinen Tee und sein Bier,
Doch du hast Champagner im Blute.
Seit ich dich wiedergesehn, ist mir
So feiertäglich zumute.
– Wie soll ich euch lassen, ihr Gassen am Quai,
Ihr Träume am Ufer der Seine…
Adieu, du mein freundlicher Beaujolais!
Und verzeih diese Abschiedsträne.
Mascha Kaléko: Sämtliche Werke und
Briefe in vier Bänden. Hrsg. und komm.
von Jutta Rosenkranz. Bd. 1: Werke.
München: Deutscher Taschebuch
Verlag. S. 230f. © für den Text:
1975, 2012 Gisela Zoch-Westphal, Zürich.
