Museum
Ausstellungen
2013 FINDEN
fluxus 24: »du sagst ja immer, wir sind ein Gespräch«. Vorlassbesichtigung bei Tankred Dorst und Ursula Ehler. 18. Februar bis 2. Juni 2013
Zum ersten Mal haben sich das Archiv und zwei seiner ›Vorlasser‹ über die Schulter schauen lassen – Annäherung an eine unglaubliche Schreibgemeinschaft, in deren Kern ein großer Apothekerschrank als Ablagesystem steht: Die Theaterstücke von Tankred Dorst, der zu den meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsautoren gehört, entstehen seit vierzig Jahren im Dialog mit seiner Frau.
Zettelkästen. Maschinen der Phantasie. Zum 250. Geburtstag von Jean Paul. 4. März bis 15. September 2013
In seinem »aus fünfzehn Zettelkasten gezogenen« Leben des Quintus Fixlein entwirft Jean Paul eine Architektur der Phantasie: »Gedächtnis ist nur eine eingeschränktere Phantasie. Erinnerung ist nicht die bloße Wahrnehmung der Identität zweier Bilder, sondern sie ist die Wahrnehmung der Verschiedenheit des räumlichen und zeitlichen Verhältnisses gleicher Bilder. Die fünf Sinne heben mir außerhalb, die Phantasie innerhalb meines Kopfes einen Blumengarten vor die Seele; jene gestalten und malen, diese tut es auch; jene drücken die Natur mit fünf verschiedenen Platten ab, diese liefert sie alle mit einer«. In Zettelkästen werden Lesefrüchte und Schreibeinfälle gesammelt und einsortiert, vernetzt und verschachtelt und – durch Glücksaufschläge, Buchstaben- oder Zahlencodes – immer wieder in neue Zusammenhänge gebracht. Eine große Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne stellt einige der berühmtesten Maschinisten solcher Phantasiemaschinen in den Mittelpunkt. Sie zeigt, wie die Zetteleien u.a. von Jean Paul, Arno Schmidt, Walter Kempowski, Hans Blumenberg, Niklas Luhmann, Reinhart Koselleck und Aby Warburg im Inneren funktionieren. Wie sind sie angelegt, durch was werden sie in Gang gesetzt, wohin führen sie, wenn man den Instrumenten und Bausteinen der Phantasie auf der Spur ist? Wie entwirft man etwas? Wie erinnert man sich? Wie lässt man es denken und schreiben? Die Geschichte des verzettelten Lesens, Denkens und Schreibens wird dabei ebenso thematisiert wie die flacheren Architekturen solcher Phantasiemaschinen: das Notizbuch, der digitale Zettelkasten und das Diagramm. Ein einmaliges Panorama der Imagination, des Lesens, Sammelns, Denkens und Schreibens entsteht.
Kafkas Mäuse. 11. April bis 7. Juli 2013
»Das was ich gegenüber Mäusen habe, ist platte Angst. Auszuforschen, woher sie kommt ist Sache der Psychoanalytiker, ich bin es nicht«, schreibt Franz Kafka an seinen Freund Max Brod am 4. Dezember 1917. Baubewohner und Nagetier, Figur der Verwandlung und des Verschwindens, größer als ein Käfer, kleiner als Affe, Maulwurf, Hund und Katze – die Maus ist eines von Kafkas Emblemtieren und in seiner Literatur weitaus mehr als nur der Hauptgegenstand einer der jüngsten spektakulären Kafka-Erwerbungen des Archivs. »Du mußt nur die Laufrichtung ändern«, sagt die Katze in der Kleinen Fabel zu ihr und frisst sie. Und in Kafkas letzter Erzählung gehören die Heldin und der Erzähler selbst zum Volk der Mäuse: »Unsere Sängerin heißt Josefine. Wer sie nicht gehört hat, kennt nicht die Macht des Gesanges.« Kafkas Brief ist nun erstmals ausgestellt – zusammen mit anderen seiner Handschriften und Zeugnissen seiner Wirkung auf Autoren wie Elias Canetti, W.G. Sebald und Gilles Deleuze.
Marbach zu Gast bei den Ruhrfestspielen: Finden: 1913. 3. Mai bis 16. Juni 2013
»Einmal nahm ich zwischen meine Hände / dein Gesicht. Der Mond fiel darauf ein. / Unbegreiflichster der Gegenstände«. Das hat Rilke Ende 1913 in Paris geschrieben. Im Deutschen Literaturarchiv Marbach liegen einige dieser Gedichte an die Nacht in grünen Magazinkisten. Nun werden sie und andere Fundstücke gehoben und vergrößert: Rainer Maria Rilke und Franz Kafka, Hugo von Hofmannsthal und Kurt Tucholsky, Else Lasker-Schüler und Franz Marc, Hermann Hesse und Erich Kästner, Arthur Schnitzler, Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern auf Lebensgröße. 19+13 Lese- und Schaustücke zum Entdecken im Rangfoyer des Ruhrfestspielhauses. Die Ausstellung ist der Mittelteil eines Marbacher Ausstellungstriptychons, das die großen Schwellenjahre der literarischen Moderne aus dem Archiv heraus beleuchtet.
fluxus 25: Objekt digital. Friedrich Kittlers Speicher. 13. Juni bis 22. September 2013
Bleibt von der Materialität der Texte, wenn sie auf einer Festplatte entstehen und gespeichert werden, nur die stoische Gegenwart von Rechnergehäusen und Platinen? Die Ausstellung stellt die Computer aus dem Nachlass von Friedrich Kittler, dem 2011 gestorbenen berühmtesten deutschsprachigen Medienwissenschaftler, in unterschiedlichen Lesarten und Sichtweisen vor: als Medium der Texterzeugung und -dokumentation, als Simulation von Schreibtischen und Zettelkästen und als eigenes Werk, für das der Quellcode ein elementarer Schöpfungsakt ist.
LSD. Der Briefwechsel zwischen Albert Hofmann und Ernst Jünger. 16. Juli bis 20. Oktober 2013
Mit einem Topf Honig, der aus der Schweiz nicht ausgeführt werden darf, beginnt eine der ungewöhnlichsten und bislang unveröffentlichten Korrespodenzen des 20. Jahrhunderts: Zwischen 1947 und 1994 haben der Schriftsteller Ernst Jünger und der Schweizer Chemiker Albert Hofmann, der Erfinder des LSD, nahezu 300 Briefe gewechselt, in deren Mittelpunkt die auch literarisch nutzbare Kraft von Drogen und das Selbstexperiment stehen. In der Ausstellung wird der neu erworbene Briefwechsel von Jüngers verschiedenen Aufzeichnungen zu Drogen und Rausch kommentiert.
1914. Literatur und Krieg. 17. Oktober 2013 bis 30. März 2014
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren ist Anlass eines einmaligen Forschungs- und Ausstellungsprojekts: Drei wichtige europäische Institutionen – die Bodleian Library Oxford, die Bibliothèque nationale et universitaire Strasbourg und das Deutsche Literaturarchiv Marbach – legen den Fokus auf ein für die europäische Literatur bedeutsames Jahr und tauschen dazu Exponate aus ihren Sammlungen aus. Franz Kafka beginnt im Sommer 1914 seinen Roman Der Process, James Joyce den Ulysses und Ludwig Wittgenstein den Tractatus. Im Marbacher Literaturmuseum der Moderne liegt nach der Ausstellung 1912. Ein Jahr im Archiv der Schwerpunkt auf Monatsschnitten. Der August 1914 ist die Linie, von der die darauffolgenden vier Jahre entdeckt werden. Der Krieg bringt die alte literarische Welt zum Einsturz und setzt poetische und philosophische Energien frei. Viele Dichter fallen, manche finden im Krieg auch erst ihr ästhetisches System, andere können sich entziehen. Die Nachlässe u.a. von Franz Kafka, Alfred Döblin, Hermann Hesse, Gottfried Benn, Kurt Tucholsky, Gustav Sack, Ernst Jünger, Harry Graf Kessler, Rainer Maria Rilke und Ernst Stadler erlauben sehr unterschiedliche Perspektiven auf den ersten Weltkrieg der Geschichte.
Der ganze Prozess. 7. November 2013 bis 9. Februar 2014
Am 2. August 1914 notiert Franz Kafka in seine Tagebuch: »Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. – Nachmittag Schwimmschule.« Wohl sieben Tage später, an einem Dienstag, beginnt er seinen Roman Der Prozess niederzuschreiben. Bis zum 20. Januar 1915 wird das Manuskript auf 316 Seiten und ingesamt 161 Blätter anwachsen, dann stellt Kafka die Arbeit daran ein. Sein Freund Max Brod soll es nach seinem Tod verbrennen. Brod führt den Wunsch nicht aus und veröffentlicht den Roman 1925 als Fragment. Für genau drei Monate ist nun das Manuskript zu einem der größten Bücher des 20. Jahrhunderts im Literaturmuseum der Moderne zu sehen: Seite für Seite in der Reihenfolge seiner Entstehung.
fluxus 26: Stationen des Sehens. Alfred Andersch als Fotograf. 3. Dezember 2013 bis 30. März 2014
Am 4. Februar 1914 – sechs Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in dem das Medium Fotografie erstmals auch als Mittel der Kriegsführung eingesetzt wird – kommt Alfred Andersch ín München auf die Welt. Er wird einer der einflussreichsten deutschen Nachkriegsschriftsteller, seine Erzählungen Vater eines Mörders und Sansibar oder der letzte Grund gehören zum Kanon der Schullektüre. In seinem Nachlass wurden rund 1.000 Schwarz-Weiß-Aufnahmen in Kleinbildformatserien gefunden – wie seine Literatur ein Versuch, die Welt in ihren Erscheinungen zu erfassen und ihre zeitlose, da augenblicksverhaftete Substanz herauszufiltern.
2014 STELLEN
Heideggers Wolke. 11. Mai bis 12. Oktober 2014
Die Reise. November 2014 bis März 2015
2015 SAGEN
Die Einsamen. April bis September 2015
Der literarische Raum. Wort, Ton und Bild im 21. Jahrhundert. Oktober 2015 bis März 2016







