Brentano, Clemens (1778-1842). Der Philister vor, in und nach der Geschichte (Satire : 1811)
Brentano, Clemens (1778-1842) ,
1811
- Normdaten
- Satire
1799
- Deutsch
Helfer, M. B.: Das unerhörte Wort : Antisemitismus in Literatur und Kultur. - 2013, S. 98-99 (positiv)
Nienhaus, S.: Geschichte der deutschen Tischgesellschaft. - 2003, S. 182-183 (positiv)
Schultz, H.: Clemens Brentano. - 1999, S. 126-131 (positiv)
Inhalt: Ein in Wetzlar lebender Musterphilister besitzt keinerlei Sinn für Poesie und Musik, allerdings schätzt er alles Nationale und Militärische. Konfrontiert wird der spießige Philister mit der Begeisterungsfähigkeit studentischer Jugend. Durch Brentanos Gleichsetzung von Philistern mit Juden - die in seinen Augen langweilig, freudlos und unkultiviert waren - erhält die Schrift einen antisemitischen Unterton.
Diese offene Diskriminierung von Juden und deren Ausschluss von geselligen Zusammenkünften wurde auch von der "Christlich Deutschen Tischgesellschaft" gelebt, in welcher Antisemitimus (sowie Frankophobie) zum gesellschaftspolitischem Programm gehörte und die sich damit klar von anderen Berliner Salons (die teils von jüdischen Damen geführt wurden) abgrenzte.
Überlieferung: Die Rede wurde von den Mitgliedern der "Tischgesellschaft" begeistert aufgenommen; sie wurde 1811 anonym veröffentlicht. Achim von Arnim schrieb kurz darauf ebenfalls eine Schmähschrift mit dem Titel "Ueber die Kennzeichen des Judenthums". Eichendorff verarbeitete die Philisterkritik aus den Satiren in seinem "Taugenichts", Jean Paul thematiserte den Text in seinen Vorlesungen zur "Vorschule der Ästethik".