Peter Handke: Am Rande der Wörter : [Gespräch, Interview]
Lewitscharoff, Sibylle (1954-2023); Greiner, Ulrich (1945-); Bürger, Jan (1968-)
Marbach a. N. : Dt. Literaturarchiv, 2012 - 71 Min.
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Lewitscharoff, Sibylle / A3.6.3 Gespräche, Interviews
Greiner, Ulrich / A3.6.5 Die Stimme des Autors
Wie liest man Handke? Zu Beginn erzählt Ulrich Greiner von einem Verriss, den er zu Handkes "Das Gewicht der Welt" verfasst hat, wobei er betont, dass er ihn heute nicht mehr so schreiben würde. Eine gemeinsame Entwicklung des Kritikers und des Autors wird durch diesen knappen Bericht illustriert. Sibylle Lewitscharoff hingegen spricht von einer "großzügigen Treue", die sie als Leserin mit Peter Handke verbinde. Die Gefahr des Kitsches wird angesprochen, wobei die Gesprächsteilnehmer diesen Begriff von sich weisen. Stattdessen betont Ulrich Greiner die Angemessenheit der teils schwierigen Sprache Peter Handkes, die genau nicht einem Realismus oder gar 'Naturalismus' in die Karten spielt. Zwar seien Handkes Sätze ab und an "verstiegen", doch man müsse dann eben schauen, wohin diese Verstiegenheit führe. Sibylle Lewitscharoff erwähnt, dass sie nicht so sehr an der Person Peter Handkes interessiert sei, sondern an seinen Büchern und begründet dies mit einer Anekdote über das erste Zusammentreffen von ihr mit dem berühmten Autor. Jan Bürger leitet daraufhin zum Bild Handkes über. Im Zentrum steht die Frage nach der medialen Präsenz des Autors, die trotz seines Rückzugs aus dem Literaturbetrieb ungebrochen hoch bleibt. Zwangsläufig kommt das Gespräch auf Handkes Parteinahme für Serbien, die, wie Ulrich Greiner berichtet, Handke zur persona non grata im deutschen Buchhandel gemacht habe. Bevor sich das Gespräch dem Publikum öffnet, beschreibt Sibylle Lewitscharoff den Einfluss Handkes auf ihr eigenes Werk und findet dafür den Begriff der "Blickschule", durch die ihr Blick auf die Dinge erzogen worden sei: "Mit Stifter auf ein Autobahndreieck schauen..."
- Gespräch, Interview