Jürgen Schlimper spricht über Medienpolitik in der DDR und in der Zeit der Wende 1989/90. Den Zusammenbruch der DDR versteht er dabei auch als persönliche Niederlage, darin jedoch als gerechte. Kritik am Journalismus in der DDR will er somit zugleich als wissenschaftliche und als persönliche Kritik verstanden wissen. Zunächst beschreibt Jürgen Schlimper die ideologische Überformung der DDR-Presse durch die SED, die den Anspruch vertrat, als Vertreterin der Arbeiterklasse die Medienlandschaft nach proletarischen Klasseninteressen strukturieren zu können. Anschließend analysiert er den schleichenden Kontrollverlust der Partei über die Redaktionen, der nur noch mehr Unsicherheit produzierte, da Kontrolle weitestgehend von Zufälligkeiten abhängig. Vergleichende Blicke auf die westdeutsche Entwicklung begleiten den Vortrag, der abstrakt versucht, das Scheitern eines demokratischen Experiments zu beschreiben.