Eine Mutter, ihr verschollener Sohn und einer, der ihn ersetzen soll, stehen im Zentrum des Debüts der Künstlerin Cemile Sahin, dem ersten im Korbinian Verlag erscheinendem Roman. "Taxi" ist ein Ride hinein in die Lebenswelt Kriegs-gebeutelter Menschen, die versuchen die Deutungshoheit über das eigene Leben und die eigene Erzählung zu behalten. Durch den bewussten Verzicht auf eine eindeutige Verortung der geschilderten Realität in das Weltgeschehen macht "Taxi" klar: was diese Geschichte erzählt könnte jeden treffen und passiert zwangsläufig überall dort, wo Krieg herrscht. Cemile Sahin gelingt das Kunststück, in ihrem Debütroman Taxi eine hochpolitische Geschichte über die äußeren und seelischen Verwüstungen des Krieges so unterhaltsam zu erzählen, dass Pathos oder moralisierende Töne gar nicht erst aufkommen. Amerikanisches Serial, Gaunermärchen, Verwechslungskomödie, Trauerspiel und Action-Krimi, bei allen Genres wird gewildert in diesem tragikomischen Heldenepos. So zeigt sich Sahin als souveräne Erzählerin einer hybriden, zeitgemäßen Literatur, die ohne Avantgarde-Gestus auskommt. Das inhaltliche Gewicht ihres Debüts sollte man bei aller durchgeknallten Komik nicht übersehen: Taxi handelt vom Krieg. Es wird gefoltert, getötet, gelitten in dieser Geschichte. Und Cemile Sahin redet nicht irgendeiner historischen Wahrheit oder den offiziellen Narrativen das Wort, sondern der Vielfalt kreativer, subjektiven Erzählformen. Und die sind letztlich immer subversiv (deutschlandfunk.de)
Rezension
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