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(1) Wie Literatur entsteht: Literatursoziologie

Das DLA beherbergt 53 Verlagsarchivbestände und 23 Zeitschriftenarchive, die darüber Auskunft geben, wie Literatur gemacht wird, welche Akteure jenseits des Autors daran beteiligt sind und welcher Prozesse es zu diesem Zweck bedarf. Literatursoziologische Ansätze, die im französischen Sprachraum durch das Werk von Pierre Bourdieu und im amerikanischen Sprachraum durch eine aktive Kultursoziologie einige Prominenz genießen, hierzulande aber nur wenig entwickelt sind, helfen weiter, um das Entstehen von Literatur aus Verlags- und Zeitschriftenarchiven zu beschreiben. Internationale Perspektiven spielen in diesem Forschungsbereich im Jahr 2025 eine wichtige Rolle, die sich aus der hohen Mehrsprachigkeit der Bestände des DLA und den starken internationalen Verflechtungen der Akteure der deutschsprachigen Literatur im 19., 20. und 21. Jahrhundert ergeben.

Aus der Workshopreihe »Globale Literaturgeschichte«, die schon seit 2021 den Blick auf das Geschäft des Verlegens richtet, ist eine universitäre Arbeitsgruppe entstanden, die sich der Verlagsarchivforschung widmet und Forschungsprojekte zu Fragen hinsichtlich der Entwicklung von Literatur, der Verlagskommunikation, der Netzwerkbildung und der Unternehmenssteuerung entwickelt.

Das internationale Symposium »Literary consecration and the transformation of publishing in the era of globalization«, (21.-24.05.2026, Stockholm), eine Kooperation mit dem Centre national de la recherche scientifique, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Schwedischen Akademie Stockholm und der Universität Stockholm, nimmt die Auswirkungen internationaler Literaturpreise auf verschiedene nationale und sprachliche Buchmärkte aus vergleichender Perspektive in den Blick und fragt zugleich, wie sich der Wandel der Verlagsbranche auf internationale Literaturpreise auswirkt.

Unter dem Titel »Probing the Archive – Finding Literary Agents«, eine Kooperation der Universität Münster mit der Université Aix-en-Provence und der Università degli studi di Pavia, fragt eine internationale Tagung (23.-25.09.2025) nach den Spuren, die Literaturagentinnen und -agenten in Archiven hinterlassen. In den Blick kommen damit zentrale Akteur/-innen des internationalen Buchmarkts, die zu den großen Unsichtbaren des Literaturbetriebs zählen und insbesondere in der literatursoziologischen Forschung in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit bekommen. Die Tagung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Kontakt

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