Julika Griem, Sandra Richter

These 4

Literaturarchive sind multifunktionale Einheiten im nationalen, europäischen und globalen Netzwerk der Archive. Sie sammeln, erschließen, forschen, kommunizieren und vermitteln im Austausch miteinander, im Austausch mit der Forschung und der Öffentlichkeit.

JULIKA GRIEM (Direktorin des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen)
Henry James schrieb 1907: »Relations stop nowhere.« Dies gilt auch für ein Literaturarchiv, das in einem die Nachbarschaft und die Welt umspannenden Netzwerk von vergleichbaren Institutionen sowie mit Wissenschaft und Gesellschaft in Austausch stehen soll. Wie aber organisiert man die Arbeit des Archivs so, dass nicht nur einfach vieles mit vielem zu tun hat? Indem man Funktionen fokussiert. Wie andere Einrichtungen sollte sich ein Literaturarchiv fragen, ob man dem aktuellen Mantra ubiquitär-effizienter Kommunikation in alle Richtungen folgen muss. Wichtig erscheint mir a  uch die Frage, was nicht geleistet, und wer nicht angesprochen werden muss. Wenn man Leistungsdimensionen addiert, aber nicht integriert, wird vielleicht mehr, dies aber nicht unbedingt besser gemacht. Die Skalierung des Portfolios und seiner Potenziale, und damit auch das Verhältnis von Quantität und Qualität stellt auch für ein Archiv eine Herausforderung dar. Nicht nur ein Problem, das durch Digitalisierung gelöst werden kann

SANDRA RICHTER (Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach)
Forschung findet in einer spezialisierten Einrichtung wie dem DLA auf unterschiedliche Weise statt: in der Archivabteilung und in der Bibliothek an der Schnittstelle von Sacherschließung und Forschung, im Museum als ›artistic research‹ und archivübergreifend als interdisziplinäre geisteswissenschaftliche Forschung, die ihre Kooperationspartner außerhalb des Archivs sucht: an Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und anderen bestandshaltenden Institutionen, national wie international. Forschung im Archiv ist meist bestandsorientiert. Als Infrastruktureinrichtung mit hohem Forschungsanteil hat das DLA darüber hinaus forschungssteuernde Funktion: Was es erwirbt und erschließt, wird nicht selten auch über das Archiv hinaus zum Schwerpunkt literaturwissenschaftlicher Forschung Mit der zunehmende Digitalisierung verstärkt sich dieser Trend, denn was nicht datafiziert oder bereits als Born-digital vorhanden ist, existiert für viele Forscher:innen nicht mehr. Künftig stärker in den Blick zu nehmen und kooperativ zu gestalten sind die interne Forschungstätigkeit ebenso wie die forschungssteuernde Funktion für alle communities, die mit den Beständen des DLA arbeiten.

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