Seminarreihe ›Kafkas Echo‹: »Wie kann doch überhaupt ein Mensch schuldig sein«. Kafkas ›Naturgesetz‹
Assoc. Prof. Andreina Lavagetto | Università Ca’ Foscari Venezia
In seinem Erzählwerk, seinen Oktavheft-Aufzeichnungen, Tagebucheinträgen und Briefen ermisst Kafka die ganze Tragweite vom Ausgesetztsein des menschlichen Seins einer Realität gegenüber, die es ontologisch wie historisch mit ihrer fundamentalen Gewalt konfrontiert.
In Kafkas Darstellungen zeitloser und doch moderner Welten (Process, Schloss, Chinesische Mauer-Komplex zum Beispiel) läuft Gewalt über die Sprache und Rhetorik sozialer Institute (Familie, Gemeinschaft, Verwaltung, Rechtswesen, politisch-ökonomische Entscheidungsinstanzen), die dem Einzelnen ihre potestas über Leben und Tod unentwegt spürbar machen. Indirekt, hintergründig, ständig neu interpretierbar greift diese Sprache der Gewalt auf alle Bereiche der individuellen »bloßen« Existenz über.
Kafkas schonungslose Analyse der historischen Lage vom modernen Menschen (aber auch der condition humaine überhaupt) verdankt ihre erkenntniskritische Kraft und Schärfe nicht zuletzt der überaus positiven, ja bewundernden Einstellung jener Modi des Lebens gegenüber, die ohne Selbstbetrug ihre restlose Immanenz einsehen und bejahen.
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Ein Kooperationsprojekt des Deutschen Literaturarchivs Marbach, der National Library of Israel und der Bodleian Library Oxford. Gefördert durch das Auswärtige Amt.
Begleitend zur Ausstellung ›Kafkas Echo‹ im Literaturmuseum der Moderne lädt die gleichnamige Seminarreihe Dozentinnen und Dozenten aus aller Welt ein, sich mit der Entstehung, Entwicklung und Rezeption des Weltautors Kafka und seines Werkes auseinanderzusetzen.
›Kafkas Echo‹ wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Das Begleitprogramm (Social Media, Seminarreihe und Vermittlungsprogramm) wird gefördert durch das Auswärtige Amt.
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