DLA übernimmt Nachlass von Rolf Dieter Brinkmann
Der frühverstorbene Rolf Dieter Brinkmann (1940–1975) gilt spätestens seit der Veröffentlichung des Gedichtbands Westwärts 1 & 2 in seinem Todesjahr als Klassiker der Nachkriegsliteratur. Nun übernimmt das Deutsche Literaturarchiv seinen Nachlass, der Manuskripte, Briefe und Skizzenbücher aus den 70er-Jahren enthält sowie zahlreiche Entwürfe und Fassungen von Gedichten, die zum größten Teil im Band Westwärts 1 & 2 publiziert wurden. Brinkmanns Texte irritieren und faszinieren durch die Verbindung von roher, obszöner Alltagssprache, Pop- und Medienbildern, durch unmittelbare Wahrnehmungen und radikale Subjektivität.
Neben den Manuskripten, Briefen, Entwürfen und Fassungen von Gedichten zum Band Westwärts 1 & 2 finden sich im Nachlass collagierte Materialhefte, die 1972 während Brinkmanns Aufenthalt als Stipendiat der Villa Massimo in Rom entstanden und posthum als Rom, Blicke (1979) und Schnitte (1988) erschienen. Bislang unveröffentlicht ist ein umfangreiches Notizbuch mit Entwürfen zu einem zweiten Roman, der nie realisiert wurde, und ein Konvolut aus Brinkmanns Zeit als Writer in Residence an der University of Texas/Austin, das Briefe, Fotos und Drucksachen enthält, die der Autor möglicherweise für ein weiteres Projekt in der Art von Rom, Blicke gesammelt hat. Schließlich gehören zum Nachlass zum Teil stark annotierte Bände wie z.B. die Lunch Poems von Frank O’Hara.
Zunächst wurde Brinkmann als jugendlicher Provokateur bekannt. Im Umfeld der Studentenbewegung stand Brinkmann für den bewussten Bruch mit traditionellen Schreibweisen. Sie sind nicht nur von älteren Autoren wie Gottfried Benn, Alfred Döblin und Hans Henny Jahnn geprägt, sondern maßgeblich von der Underground-Literatur der USA. Zusammen mit Ralf-Rainer Rygulla (*1943), den er 1959 während seiner Buchhandelslehre in Essen kennenlernte, brachte Brinkmann den amerikanischen Underground nach Deutschland. Ihre gemeinsam herausgegebene Anthologie Acid. Neue amerikanische Szene (1969) prägte die Rezeption der amerikanischen Gegenwartskultur in Westdeutschland nachhaltig. Bereits 2023 hat Ralf-Rainer Rygulla dem Deutschen Literaturarchiv seinen Vorlass mit zahlreichen, größtenteils unbekannten Briefen und Manuskripten Brinkmanns übergeben. 2025 erschien daraus ein nie fertiggestellter Band mit Kollaborationen der beiden: Frank Xerox’ wüster Traum.
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