PM 10/2025,

DLA erwirbt »Brief an den Vater« von Franz Kafka

Der Brief an den Vater, den Franz Kafka 1919 in Schelesen bei Prag schrieb, zählt heute zu den ikonischen Werken der modernen Weltliteratur. Dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Baden-Württemberg durch die Baden-Württemberg Stiftung, der Adolf Würth GmbH und Co KG,  der Berthold Leibinger Stiftung, der Wüstenrot Stiftung sowie von Klaus Mangold konnte das berühmte Manuskript jetzt, vermittelt durch den Antiquar Jörn Günther, vom Verleger Thomas Ganske erworben werden. Ganske war seit 1983 im Besitz des Manuskripts, das 100 Seiten im Oktav-Format umfasst und sehr gut erhalten ist. 

Der Brief an den Vater, in dem sich Literatur und Wirklichkeit vielschichtig verschränken, erreichte seinen Empfänger nicht, denn Kafka hat ihn niemals abgeschickt. Erst als Kafka und sein Vater längst gestorben waren, wurde er 1952 durch den Erstdruck in der Literaturzeitschrift Neue Rundschau bekannt. Seitdem gilt der Brief als ein literarisches Meisterwerk und Schlüssel zum Verständnis von Kafkas Leben und Werk. Nach einigen Zwischenstationen kam der Brief 1982 aus Privatbesitz in das Münchner Antiquariat Ackermann, wo ihn Thomas Ganske erwarb. Im Jahr 1984 übergab Thomas Ganske den Brief als Leihgabe dem Deutschen Literaturarchiv. 

Nach einem Streit mit seinem Vater über Kafkas geplante Heirat mit der Sekretärin Julie Wohryzek, rekapituliert der Sohn sein Verhältnis zu seinem Vater, der ihm sein Leben lang übermächtig und erdrückend erschien. Wie ein guter Anwalt trägt er Anklagepunkt um Anklagepunkt zusammen und enthüllt immer neue seelische Abgründe. Inwieweit sein Porträt auf den wirklichen Vater zutrifft, ist umstritten. Bereits in seiner 1913 veröffentlichten Novelle Das Urteil rechnete ein Sohn mit seinem Vater ab. Manches spricht dafür, dass das geradezu mythische Motiv der Vater-Sohn-Konfrontation Kafka auch darum besonders interessierte, weil es sich dazu eignete, sein Lebensthema der Abhängigkeitsbeziehungen, das auch seine Romane Der Process und Das Schloss prägt, exemplarisch auf den Punkt zu bringen. 

Das Deutsche Literaturarchiv besitzt nach dem eigentlichen Nachlass, der in Oxford liegt, die weltweit größte Sammlung von Kafka-Autographen, darunter die Process-Handschrift, zahlreiche weitere Manuskripte und Briefe, u.a. die an seine Schwester Ottla (gemeinsam mit der Bodleian Library Oxford) und Milena Jesenská. Zurzeit ist der Brief an den Vater im Marbacher Literaturmuseum der Moderne in der Ausstellung ›Kafkas Echo› zu sehen, die wegen des großen Publikumsinteresses bis 22. Juni 2025 verlängert wurde. 

»Diese einzigartige Erwerbung ist ein Höhepunkt in der Marbacher Sammlungsgeschichte. Der Brief an den Vater vervollständigt die vorhandene Brief- und Werksammlung Franz Kafkas im Deutschen Literaturarchiv. Der zutiefst berührende und faszinierende Brief ist eines der literarisch und psychologisch eindrücklichsten Zeugnisse Kafkas, das nun in Marbach für die internationale Literaturgeschichte dauerhaft gesichert wird. Er ist weit mehr als ›nur‹ ein Brief, er ist Literatur und Dokument zugleich – und zeigt ein Bild von Kafka, wie er sich eigenhändig gesehen hat. Wir können uns alle glücklich schätzen, dass dieses Werk nun in Baden-Württemberg gelandet ist.«
Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

»Dass dieses Manuskript, ein Schlüsseltext für das Verständnis der Werke Kafkas, nun in dem weltweit wichtigsten Archiv zur deutschen Literatur bleiben darf, freut mich außerordentlich. Der Brief an den Vater gibt nicht nur der Forschung Aufschluss über das Leben und Innenleben des Schriftstellers, er ist auch ein herausragendes Beispiel dafür, wie sich Kunstschaffende nach dem Ersten Weltkrieg mit patriarchalen Strukturen in Familie und Gesellschaft auseinandersetzten, gegen autoritäre Vorstellungen aufbegehrten und die Selbstbestimmtheit des Individuums einforderten.«
Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder

»Für uns als Baden-Württemberg Stiftung ist es wichtig, dass einer der bedeutendsten Briefe der Literaturgeschichte nach Baden-Württemberg kommt. Wir freuen uns daher sehr, dass Franz Kafkas Brief an den Vater nun im Deutschen Literaturarchiv in Marbach eine neue Heimat findet, die der literarischen und wissenschaftlichen Bedeutung des Briefs angemessen ist.«
Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung

»Man kann dem Deutschen Literaturarchiv Marbach nur gratulieren, dass diese wunderbare Erwerbung gelungen ist. Schön, dass so viele Institutionen und Förderer diese einmalige Chance erkannt haben. Herzlichen Glückwunsch!«
C. Sylvia Weber, Geschäftsbereichsleiterin Kultur in der Würth-Gruppe

Im Jahr 2020 konnten wir für das Deutsche Literaturarchiv Marbach den Erwerb eines Briefs geschrieben am 22. September 1922 von Franz Kafka an seinen engsten Freund und wichtigsten Förderer Max Brod unterstützen. Wir freuen uns sehr, dass wir fünf Jahre später wieder einen Beitrag dazu leisten können, dass ein bedeutendes Werk aus der Hand Kafkas seinen Weg nach Marbach findet. Kafkas Brief an den Vater ist nicht nur ein Schlüssel zum Verständnis seines Lebens und seines literarischen Werkes, sondern auch ein bedeutendes Dokument, das tiefere Einblicke in die menschliche Natur und die gesellschaftlichen Strukturen seiner Zeit bietet.«  
Markus Wener, Geschäftsführer der Berthold Leibinger Stiftung 

»Der Brief an den Vater ist nicht irgendein Brief Kafkas, sondern ein literarisches Meisterwerk und gleichzeitig das intime Dokument einer Beziehung. Es gibt kaum einen Ankauf für das DLA, den wir mit größerer Begeisterung gefördert hätten.«
Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung

»Meine Frau und ich haben uns entschieden, den Ankauf des Briefes von Franz Kafka an seinen Vater zu fördern. Wir glauben, dass dies eine enorm wichtige Ergänzung der Kafka-Sammlung des Deutschen Literatur Archivs ist. Der Brief ist in seinem Inhalt von einer ungewöhnlichen literarischen Qualität. Er muss deshalb in Marbach sein!« 
Klaus Mangold, Chairman Mangold Consulting GmbH

»Was für ein Glücksfall in der Geschichte dieses Instituts: Jetzt wird eine wichtige Lücke in der weltweit bedeutenden Sammlung von Kafka-Autographen im Deutschen Literaturarchiv geschlossen. Eine solche Erwerbung gelingt nur im guten Zusammenwirken vieler Kräfte. Mein ganz großer Dank gilt allen Förderern!«
Sandra Richter, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs

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