DLA übernimmt den Nachlass
von Friedrich Christian Delius
Schon zu Lebzeiten hatte der Schriftsteller F. C. Delius, geboren 1943 in Rom, gestorben in Berlin 2022, seinen Vorlass sukzessive an das Deutsche Literaturarchiv gegeben. Jetzt überließ seine Witwe Ursula Bongaerts den zweiten Teil seiner Papiere dem DLA. Delius war in der Literatur als Autor ebenso zu Hause wie als Vermittler: Bereits in den 60er- und 70er-Jahren prägte er u.a. als Lektor im Verlag Klaus Wagenbach und in dem von ihm mitbegründeten Rotbuch Verlag die literarische Landschaft entscheidend mit. Seit 1978 arbeitete er als freier Schriftsteller und war mit seinem umfangreichen erzählerischen und lyrischen Werk ein bedeutender und streitbarer Chronist seiner Zeit.
Delius’ Nachlass erlaubt eine umfassende Dokumentation seines Schaffens, geordnet nach Werken, mit verschiedenen Werkstufen, Bearbeitungen und Leserreaktionen von Freund/-innen und Kolleg/-innen. Der Bestand umfasst u.a. Entwürfe, Notizen und Materialkonvolute zu seinen bekannten Prosawerken wie Die Birnen von Ribbeck (1991), Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde (1994), Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus (1995) und Bildnis der Mutter als junge Frau (2006). Neben Gedichtsammlungen, Hörspielen und Theaterstücken enthält der Nachlass eine umfangreiche Korrespondenz. Dazu gehören Briefwechsel mit Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Peter Handke, Elke Heidenreich, Sarah Kirsch, Herta Müller, Hans Joachim Schädlich, Ingo Schulze, Jürgen Theobaldy, Uwe Timm und vielen anderen. Auch seine Gutachten und Lektoratskorrespondenz aus dem Rotbuch Verlag sind Teil des Bestandes. Hinzu kommt eine Auswahl an E-Mail-Korrespondenz, die der Autor selbst noch zu Lebzeiten für die Übernahme seitens des Archivs angelegt hat. Ergänzt wird das Konvolut durch 135 Notizbücher und 8 Tagebücher, den Zettelkasten »Wolkenmarmor«, Materialien zum Siemens-Prozess, persönliche Gegenstände und Fotografien. Zum Nachlass gehören Provenienz- und Widmungsexemplare sowie eine Sammlung an Belegexemplaren der übersetzten Werke von F. C. Delius.
F. C. Delius hat zahlreiche bedeutende Literaturpreise und Auszeichnungen erhalten. Zu den wichtigsten zählen der Samuel-Bogumił-Linde-Preis (2002), der Fontane-Preis (2004), der Joseph-Breitbach-Preis (2007) sowie als Höhepunkt seines Schaffens der Georg-Büchner-Preis (2011), die renommierteste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.
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