Ausstellungseröffnung am 18.11.
Susan Sontag. Erfindung einer Klassikerin
›Schriftstellerinnen im DLA 1‹
»There is no doubt that she will develop as one of the important modern American authors. … For Germany, however, I am not too optimistic«, äußert Fritz J. Raddatz, Cheflektor des Rowohlt Verlags, 1967 in Vorbereitung der deutschen Übersetzung des Essaybandes Against Interpretation seine Zweifel am Erfolg der US-amerikanischen Autorin Susan Sontag (1933–2004) auf dem deutschen Buchmarkt. Auch nach seinem Abschied von Rowohlt bleibt Raddatz in enger Verbindung zu der Schriftstellerin – bis zu ihrem Tod ist er ihr ein wichtiger Förderer und Berater. Vom Making-of des legendären literarischen ›Pop-Stars‹ Susan Sontag erzählt die neue Ausstellung ›Susan Sontag. Erfindung einer Klassikerin‹ im Marbacher Literaturmuseum der Moderne: von ihren Wegen durch die Feuilletons, der Produktion und Rezeption ihres Werks im deutschsprachigen Raum, von Förderern und Weggefährt/-innen wie Fritz Arnold, Fritz J. Raddatz, Michael Krüger, Sigrid Löffler und Alice Schwarzer. Die Ausstellung über Susan Sontag als intellektueller Tausendsassa bildet den Auftakt der neuen, gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung durchgeführten Reihe ›Schriftstellerinnen im DLA‹, die sich dem literarischen Erbe von Autorinnen im Deutschen Literaturarchiv widmet.
Zur Eröffnung diskutiert die Direktorin des Deutschen Literaturarchivs, Sandra Richter, mit Thea Dorn über das literarische Erbe von Susan Sontag. Texte aus dem Werk von Susan Sontag liest Sylvana Krappatsch, Staatstheater Stuttgart. Es begrüßen Joachim E. Schielke, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Stiftung, und Sandra Richter. Die Ausstellung ›Susan Sontag. Erfindung einer Klassikerin‹ wurde von Vera Hildenbrandt, Anna Kinder, Laura Relitzki und Sandra Richter kuratiert. Das Gestaltungskonzept hat südstudio entwickelt.
Ausgehend von Briefen und Dokumenten, insbesondere aus den Archiven der Verlage Hanser und Rowohlt sowie den Archiven von Fritz J. Raddatz und Sigrid Löffler, wird mit rund 60 Exponaten Sontags Weg auf den deutschen Buchmarkt und in die literarische Öffentlichkeit gezeigt. Im Mittelpunkt steht dabei ihre Entwicklung als Autorin, ihr öffentliches Auftreten und ihre Erfolge, aber auch Rückschläge, die sie zu überwinden hatte. Bereits im Alter von 16 Jahren besuchte Sontag den von ihr verehrten Thomas Mann im kalifornischen Exil, führte seit den 50er-Jahren ein glamouröses Leben im Rampenlicht von New York, zog später nach Paris, war häufig in Berlin zu Gast, schrieb und inszenierte Theaterstücke, drehte Filme und engagierte sich vielfach politisch. Sontag wollte Hoch- und Populärkultur verbinden und erteilte der intellektuellen Selbstgenügsamkeit eine Absage, u.a. in ihrem legendären Essay Notes on ›Camp‹, erstmals 1964 in der Zeitschrift Partisan Review erschienen. Ihre scharfsinnigen Analysen in diesem und anderen Essays wie Illness as Metaphor (zuerst erschienen in The New York Review of Books, 1978) fanden auch deshalb große Resonanz, weil sie provozierten. Und manchmal taten ihre Beiträge das schon allein durch außergewöhnliche Publikationsorte in Hochglanzmagazinen wie der Vogue. Auf Einladung des DAAD kam Susan Sontag 1989/90 für einen längeren Zeitraum nach Berlin und begann dort an der Arbeit zu ihrem Roman Der Liebhaber des Vulkans (engl. 1992, dt. 1993). Im Jahr 2000 erhielt sie für den Roman In America den National Book Award, später wurde sie u.a. mit dem Jerusalem-Book Prize (2001) und dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels (2003) ausgezeichnet. Große Vorbilder, einflussreiche Freundschaften, starke Geschichten und provokante Thesen, die Debatten entfachten, dazu eine gezielt inszenierte äußere Erscheinung – auch diesseits des Atlantiks war die Kanonisierung der US-amerikanischen Denkerin nicht aufzuhalten.
In einem gemeinsamen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Erschließungsprojekt machen das Deutsche Literaturarchiv und die Wüstenrot Stiftung die Archivbestände von Schriftstellerinnen verstärkt sichtbar. Anliegen ist es, Autorinnen und ihre Werke neu zu entdecken und nach spezifisch weiblichen Erfahrungen und Formen literarischen Schreibens, Arbeitens und Vererbens zu fragen. Die nächste Folge in dieser Reihe widmet sich der Autorin Helga M. Novak (Eröffnung im Herbst 2027).
Die Eröffnung findet am 18. November um 19 Uhr im Tagungsbereich des Deutschen Literaturarchivs (Archivgebäude) statt.
Ein Pressegespräch zur Ausstellung findet am 17. November um 14 Uhr im Literaturmuseum der Moderne statt. Um Anmeldung wird gebeten: presse@dla-marbach.de.
Zur Ausstellung erscheint: Marbacher Magazin 191.192: Susan Sontag. Erfindung einer Klassikerin. Hrsg. von Sandra Richter, Anna Kinder und Vera Hildenbrandt. 132 Seiten, zahlreiche farbige Abb. Fadengeheftete Broschur mit SU. Marbach a.N. 2026. ISBN 978-3-944469-90-4. EUR 18,00.
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