Archiv Ausstellungsreihe fluxus

7. Juli bis 27. November 2016

fluxus 35: Sibylle Lewitscharoff: »Im Labyrinth der Kreise. Aus einer Dante-Roman-Werkstatt«

Eine unheimliche Wanderung von der Hölle durchs Fegefeuer ins Paradies und zu den Sternen: In der neuen Ausstellung der Reihe fluxus hat Sibylle Lewitscharoff Phantasieräume zu Dantes »Divina Commedia« in Papier geschnitten und zum Leben erweckt.

»Im Labyrinth der Kreise. Aus einer Dante-Roman-Werkstatt« zeigt fünf szenische Papierarbeiten der Büchner-Preisträgerin und vier ihrer Notizbücher aus der Werkstatt ihres großen Dante-Romanprojekts (erscheint am 10. September im Suhrkamp Verlag). In ihrem Roman diskutieren 34 Dante-Gelehrte an Pfingsten 2013 in Rom über die Göttliche Komödie und werden dabei selbst in den Strudel jener Kreise gezogen, die dort den Erzähler in alle Tiefen und Höhen der Welt nach dem Tod reißen.
Die Ausstellung zeigt Bilder der Qual und der Hoffnung, des Infernos und des paradiesischen Himmels, Szenarien mit eisigen Seen, Wirbelstürmen und brennenden Sündern.

Über fünfzig Übersetzungen der Divina Commedia liegen im Deutschen vor, ein vielfach verehrtes Meisterwerk, allerdings – anders als in Italien – in Deutschland wenig gelesen. Sibylle Lewitscharoff hat sich in diese Welt nicht nur hineingedacht und alle deutschen Fassungen eingehend studiert, sie hat diesen großen Text der Weltliteratur selbst schreibend nachgebaut und mit anderen, ihren ganz eigenen Mitteln in düstere Szenenbilder übersetzt. In dem die Ausstellung begleitenden Marbacher Magazin wirft sie zudem einen kundigen Blick auf berühmte Übersetzungen etwa von Stefan George, Rudolf Borchardt und Karl Vossler. Zudem unternimmt sie Streifzüge in die von Dante geprägte poetische Welt Samuel Becketts und beschreibt die Dante-Lektüre des italienischen Schriftstellers Primo Levi. Ihre Notizbücher öffnen den Blick in die Kreise der Hölle, schärfen ihn für Dantes Text-Bild-Webereien und versprechen mit ihren lichten Stellen Erlösung in diesem Labyrinth der Verdammten und Untoten: »Vielleicht ist es Dantes größte Leistung, dass er die zarteren Abteilungen der Purgatorio und auch die Himmelsregionen mit seiner hinreißenden Poesie erfasste – das Gute, das Erhabene, das Wahre, Heitere und Schöne in überirdischem Glanz erstrahlen zu lassen.« (Sibylle Lewitscharoff)

Zur Ausstellung erscheint ein Marbacher Magazin.

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