Archiv Suhrkamp-Insel
SUHRKAMP-INSEL 7: »Danke schön. Nichts zu danken.« Ror Wolf und die Jahre mit Unseld
Fortsetzung des Berichts heißt Ror Wolfs erster Roman. 1964 bringt er ihn im Suhrkamp Verlag heraus. Das Buch wird kein großer Verkaufserfolg, aber es erregt Aufsehen. Vor allem junge Schriftstellerkollegen wie Peter Handke und Brigitte Kronauer sind fasziniert. Wolfs Erzählweise wird an Samuel Beckett gemessen. Als Collage-Künstler, als »Tranchirer«, der er von Anfang an auch ist, vergleicht man ihn mit Max Ernst. Helmut Heißenbüttel entdeckt in Wolfs Roman eine völlig autonome Traumlandschaft – sie lasse an Kafka denken, obwohl »ein entscheidend unkafkaeskes Element ausschlaggebend« sei: »Die Darstellung Wolfs ist vokabulär in einem Sinne, der weit über alle möglichen Vorbilder hinausgeht. Die Reproduktion der Vorgänge, Situationen und Landschaften geschieht nicht linear in der Abfolge eines Berichts, sondern ballt sich immer wieder um Wortgruppen, Satzkonvolute, Dialogverknäuelungen zusammen.«
Diese Schreibweise entwickelt Wolf, der in diesem Jahr achtzig geworden ist, mit bewundernswerter Konsequenz fort. Ob er Prosa oder Gedichte schreibt, ob er Bildelemente collagiert, sich Nachschlagewerken widmet oder König Fußball – immer besticht sein Werk durch ungewohnte Zusammenballungen. Dass eine solche Literatur nicht nur auf Zustimmung stößt, liegt in ihrer Natur. So sind auch die beiden Jahrzehnte, die Wolf mit dem Suhrkamp Verlag verbringt, nicht ohne Spannungen.
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