Archiv der Wechselausstellungen
Der ganze Prozess
Wohl am 11. August 1914, einem Dienstag, wurde einer der berühmtesten Romane der Moderne begonnen, ohne je abgeschlossen zu werden: Der Prozess von Franz Kafka. Die erhaltenen 161 Blätter des Manuskripts widersprechen der Vorstellung, ein Roman entstehe linear – werde vom Anfang bis zum Ende erzählt, eins nach dem anderen. Kafka hat in den rund sechs Monaten, die er am Prozess gearbeitet hat, Kapitel und Kapitelteile in zehn verschiedene meist 40 Blätter umfassende Hefte im Quartformat geschrieben, oft an mehreren Kapiteln zugleich in verschiedenen Heften arbeitend und sich buchstäblich verzipfelnd, Seite an Seite mit Tagebucheinträgen und Entwürfen zu anderen Texten, kreuz und quer und manchmal auch auf dem Kopf, zwei Teile gegeneinander führend, indem er ein Heft einfach umgedreht hat, um es auch von hinten nach vorne zu beschreiben. Nun ist erstmals das ganze Manuskript ausgestellt: Blatt für Blatt und in den unterschiedlichen Ordnungen seiner Entstehung und Veröffentlichung.
Ein Marbacher Magazin mit Texten und Kunst-Kommentaren u.a. von Louis Begley, Stanley Corngold, Péter Ésterhazy, Saul Friedländer, Wilhelm Genazino, Anselm Kiefer, Brigitte Kronauer, Sibylle Lewitscharoff, rosalie, Pavel Schmidt und David Welberry begleitet die Ausstellung.
Begleitprogramm und Projekt »Kafka 2014. Original und Verwandlung»
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